Nachdem Renate so beiläufig die Cotopaxibesteigung erwähnte, hier noch die persönliche Schilderung der Tour auf den höchsten aktiven Vulkan der Welt. Es war toll. Der 5897 m hohe Cotopaxi, der übrigens weiter vom Erdmittelpunkt entfernt ist als der Mt. Everest (die Erde ist ja nicht eine gleichmässige Kugel), liegt im schönen gleichnamigen Nationalpark in Ecuador, nur etwa 50 km von Quito entfernt. Die Bedingungen waren etwas schwierig, es war neblig und kalt und es hat in der Nacht stark geregnet und gewindet. Wir konnten deshalb nicht wie geplant um 1Uhr nachts vom Refugio aus starten. Der Führer Gustavo schlug vor, in einer Stunden noch einmal das Wetter zu checken. Also stand ich kurz vor zwei Uhr auf, ging aus der Hütte und erblickte bei kaltem Wind einen klaren Sternenhimmel über mir. Ich weckte Gustavo und sagte, dass ich los will.
Nach dem Aufstieg über das Schotterfeld zum ersten Gletscher auf etwa 4850 m montierten wir die Steigeisen und seilten uns an, am Himmel leuchteten immer noch die Sterne, wenn auch einige Nebelschwaden im starken Wind immer wieder die Sicht verdunkelten. Dann ging es Schritt für Schritt für Schritt durch die Nacht immer höher und höher. Wir wechselten auf den zweiten Gletscher über (corazon, Herz), der war sehr steil, dafür gewannen wir schnell Höhe. Wegen dem Wind und Nebel und der Kälte war ich etwas beunruhigt, den Gipfel nicht zu erreichen. Andere Seilschaften kehrten wieder um, viele sind gar nicht erst aufgebrochen und im Refugio geblieben. Ich wollte schneller laufen, auch wegen der Kälte, doch Gustavo blieb im sehr langsamen Takt, Schritt für Schritt. Der nächste Abschnitt lag am Fuss einer grossen Abbruchzone, riesige Spalten kläfften neben uns, mehrere Meter breit - doch die Orientierung war klar und die Spur führte sicher auf einen Grad der zur markanten Gipfelfelswand führte, die wir rechts umgingen. Dann standen noch die Gipfelaufschwünge vor uns, steil und schneeweiss, wir waren etwa auf 5500m. Ich spürte die Höhe, die Kälte, alles war weiss eingefroren, doch der Wille raufzukommen blieb ungebrochen. Die ersten kamen uns entgegen, eine erfahrene gut konditionierte Seilschaft, die trotz Regen bereits um 1 Uhr nachts aufgebrochen waren. Sie waren auch erschöpft und eingefroren wie wir, die Begrüssung war nur ein Nicken und ein kurzer offener Blickkontakt. Die Sonne ist inzwischen aufgegangen, der Nebel aber verdeckte den Blick auf den Himmel, trotzdem war es sehr hell. Der Bergführer meinte, wir schaffen es, ich war erleichtert aber atmete schwer, die Schritte wurden langsamer, gut hatte Gustavo weiter unten auf das konstant langsame Tempo geachtet… noch etwa eine Stunde sagte er mir, als wir auf einem kleinen Plateau ankamen, das von unten bereits wie der Gipfel aussah. Also, weiter, einfach weiter gehen, langsam und gleichmässig…. und dann, auf einmal wurde es flacher, es stand nur noch eine Wächte vor uns, die grosse Teile des leider im Nebel verdeckten imposanten Kraters umschloss. Wir haben es geschafft, wir sind oben, ich war glücklich…. welch ein Erlebnis :-) Mein wegen der Kälte und dem Druck der Steigeisen blau gewordener Zeh wird mich noch lange an diese tolle Tour erinnern. :-)
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auf dem Gipfel
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| Eisgeschichten |
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| Auf dem Abstieg zum Refugio |
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