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5.1.15

Titicacasee


Was Touristen hier schon in der ersten Woche machen und zum absoluten Standart-Programm in Peru gehört, haben wir nach 2 Jahren endlich auch geschafft: Eine Reise an den Titicacasee. Wir haben dabei eine lockere Variante zusammengestellt, mit praktisch keinen kulturellen Anstrengungen, dafür möglichst schöne Orte, wo man auch etwas draussen spielen kann und die Ferien geniessen. Wir sind am 26.12. mit dem Nachtbus nach Puno losgefahren und um 5 Uhr morgends da angekommen. Nach einem Tag und einer Nacht sind wir weitergefahren nach Copacabana (Bolivien), auch wieder mit dem Bus. Da waren wir dann bis am 2.1.2015, mit einem kurzen Abstecher von 2 Tagen auf der Isla del Sol. Am 3.1.2015 haben wir uns die Zugfahrt zurück nach Cusco geleistet, die ein Vermögen kostet, aber uns einen genussvollen und stressfreien Abschluss der Ferien ermöglicht hat. Auf eine weitere stressige Busfahrt hatten wir nun wirklich keine Lust.

Die Nachtfahrt nach Puno haben wir mit Cruz del Sur gemacht, eine der besten Busgesellschaften in Peru. Es war auch wirklich recht professionell und sauber, nur lief halt erst mal ein Film bis Mitternacht und es war sehr heiss im Bus bis sie dann mitten in der Nacht die Klimaanlage doch noch angestellt haben und dann wurde es schlagartig eiskalt. Mit Raphi auf dem Bauch schläft es sich eh nicht so gut und Ida war auch ständig wach.
Den ersten Tag waren wir dann nicht in Puno selbst sondern etwas ausserhalb, wo es uns sehr gut gefallen hat. Auf die Inselausflüge von Puno aus haben wir verzichtet, da uns lange Bootsfahrte erstens nicht so zusagen und es ausserdem sehr touristisch sein soll, also fast nicht mehr echtes, sondern vorallem Show und Geldmacherei. Taquile soll allerdings noch schön sein und von ein paar Kolumbianern haben wir unterwegs erfahren, das sie es sehr gut getroffen hatten mit einer übernachtung bei lokalen Leuten auf einer der schwimmenden Inseln (Islas flotantes).
Die Busfahrt nach Copacabana war ein Albtraum mit schlechter Luft im miefigen Bus, schreienden Kindern und genervten Mitresenden. Der krönende Abschluss - und nicht ganz unabhängig vom Stress vorher - war dann noch der Verlust meiner Jacke, die ich im Gepäckfach über meinem Kopf liegengelassen habe und die natürlich, obwohl wir nachweislich die letzten gewesen waren, die den Bus verliessen, und trotz mehrmaligem Nachfragen an verschiedenen Orten, unauffindbar blieb.
An der Grenze zu Bolivien muss man aussteigen, an den beiden Migrationsschaltern (Peru und Bolivien) endlos anstehen, dazwischen zu Fuss über die Grenze gehen und auf der andern Seite dann wieder einsteigen. Hat aber alles geklappt, obwohl sie zuerst wieder mal nicht wussten, wie sie mit uns Schweiz-Peruanern hantieren sollten.

Titicacasee mit Quinoafeld bei Chucuito

Copacabana (das übrigens das Orginal ist, in Brasilien haben sie eine Stadt nach der bolivianischen Virgen de Copacabana benannt und die Kopie ist jetzt viel bekannter) hat uns gut gefallen, trotz eindeutigen touristischen Verunstaltungen. Es hat zum Beispiel eine ganze Strasse quasi identischer Restaurants, die die gleichen Pollos a la milanesa und Pizzas anbieten mit zusätzlich schlechtem wifi, das sie aber auf der Strasse gross anpreisen. Wenn man sich für etwas auf der Karte entschieden hat, ist ihnen natürlich grad dafür eine Zutat ausgegangen und die Tatsache, dass sie einem das nicht vorher sagen, lässt darauf schliessen, dass es nicht die einzige Zutat für nicht nur dieses Gericht ist, die fehlt. Entlang dieser Strasse (6 de Agosto) stehen auch viele grosse Hotels und kleinere hostals und es lungern die typischen Südamerika - Hippie-Reisenden rum. Wenn man hinter der Basilika runterläuft, sieht man ein ganz anderes Copacabana, mit ungeteerten Strassen, Hühnern und Schafen, die überall rumlaufen und einfachen Leuten, viele der Frauen in den traditionellen weiten Röcken der Aymara und mit langen schwarzen Zöpfen und Zötteli dran.

Copacabana vom Cerro calvario aus

Sturmstimmung über dem Lago Titicaca

die Poser

Copacabana vom Inkagalgen aus

Wir mussten natürlich sämtliche drei Hügel (Santa Barbara, Cerro Calvario und nino Calvario) um die Stadt herum erklimmen und hatten so super Sichten über die Stadt und die Bucht und den See. Der eine Hügel, auf welchem auch der Inkagalgen (Horca del Inka) zu finden ist, hat super Felsformationen und ist im Gegensatz zum Cerro Calvario sehr sauber. Da haben wir grad eine Weile gespielt wir seien in der Schweiz :-). Auf dem Cerro Calvario hats einen Kreuzweg zum Gipfel, wo die Bolivianer Kerzen anzünden in kleinen windgeschützten Einbuchtungen in der Mauer. Es hat da oben ganz viele kleine Kreuze und Stände, wo man diese Miniatur-Sachen kaufen kann, um sie sich in echt zu erbitten. Es ist da oben aber auch extrem schmutzig, aller Abfall wird einfach über die Plattform aus geschmissen und es stehen viele leere Bierflaschen rum.
 
Cerro Calvario
Sonst waren wir in Copacabana auch mal noch Pedalo fahren in der Bucht und haben die Jacuzzi mit Solarenergie-gewärmtem Wasser genossen.



Auf der Isla del Sol gibt es ganz viele Tiere zu sehen, vorallem Esel. Die Insel ist Auto-frei. Man kann in 3-4h bequem quer über die Insel laufen, was auch viele machen. Uns war es mit den Kindern und dem Gepäck zu anstrengend. Für die Hinfahrt hatten wir den einzigen Schlechtwettertag ausgesucht und Ida hat schon nach 20 Minuten erbrochen. Es wäre eigentlich eine kurze und einfache Strecke, aber die Boote sind soooo schlecht, dass es ewig dauert. Im Norden der Insel, wo wir zuerst anlegten, war es dann immer noch regnerisch und kalt und die Unterkünfte wirklich basic. Ohne Warmwasser, ohne Heizung und schlecht isoliert. So sind wir in den Süden gefahren (mit dem Boot) und haben in dem auf 4010m ü. M. glegenen Yumani eine Unterkunft gesucht. Die Aussicht da oben ist unübertreffbar und man fühlt sich wie auf einem Alpenpass und in Sardinien gleichzeitig (kühler Wind, strahlende Sonne, Aussicht auf Bergketten, glitzernder See...etc)..Die Insel ist auch sehr sauber, man sieht kaum Abfälle und die Strassen und Plätze sind sehr schön gemacht. Überall sieht man mit viel Sorgfalt gebaute Steinmäuerchen, ein bisschen wie im Tessin.



Mit viel Glück haben wir das wohl beste Restaurant von der Insel gefunden: Las Velas. Ein Bolivianer hat hier viel Initiative bewiesen und etwas auf die Beine gestellt. Das Restaurant bietet traditionelles Essen, auf dem Feuer gekocht und bei Kerzenlicht genossen. Das kleine Häuschen hat nämlich keinen Strom und steht mitten in einem Eukalyptuswäldchen auf der Krete der Insel.




Allgemein fanden wir das Klima am Titicacasee noch anstrengender als hier in Cusco. Die Sonne brennt extrem tagsüber, aber es geht fast immer ein eisiger Wind. Wenn die Sonne weg ist und im Schatten ist es sowieso immer kalt. Unser Hotel in Copacabana hatte zum Glück eine Heizung, aber auf der Isla del Sol hatten wir ernsthafte Kämpfe mit unseren Kindern, die sich so ungern zudecken lassen und alles immer gleich wieder abstrampeln. Sie hatten trotz Schlafsack und Ganzkörper-Fleece-Piji eiskalte Hände.

Am 2.1.2015 haben wir dann den Bus zurück nach Puno genommen und dieses Mal ging alles super. Der Bus war zwar noch miefiger als auf dem Hinweg, aber man konnte die Fenster aufmachen und unsere Kinde sind auf den ersten paar Metern eingeschlafen und wir haben bis kurz vor Puno nichts mehr von ihnen gehört.
In Puno haben wir Minimalprogramm gemacht: Wir sind auch da wieder auf den Hausberg gestiegen, der da Cerro Huajsapata heisst, und haben danach einen Kaffe getrunken in einem herzigen Kolonialhaus-Innenhof an der Plaza de Armas.

Puno, Plaza de Armas. Die Kathedrale sieht fast aus wie unsere, nicht?
 Am nächsten Tag gings auch schon zurück nach Cusco und zwar eben im Zug. Dieser Zug ist nicht einfach Transportmittel, sondern Unterhaltung, Restaurant und noch mehr. Es wird ständig etwas serviert, es gibt Musik- und Tanzdarbietungen, eine Modeschau, einen PiscoSour-Kurs. Es hat Tischtücher und Rosen auf den Tischen und man sitzt in angeschraubten Ohrensesseln. Also fast etwas dekadent, aber für uns ungewohnter, aber willkommene Luxus. Ida hat auch gleich ein anderes Mädchen kennengelernt und fand die Zugbegleiterinnen in ihren Uniformen super - von ihr haben wir nicht viel gesehen wärend dieser 10h Fahrt.

Ida und ihre Zugbekanntschaft bekommen heisse Schoggi serviert

vom Zug aus...




Kinder springen dam Zug nach

Kirche auf der Passhöhe

Richtung Cusco wirds grüner (blühendes Kartoffelfeld)
Es war sehr entspannt so zurückzukommen. Die Aussicht aus dem Zug heraus war 10h lang spannend und sonst konnte man sich immer noch aufs Essen konzentrieren oder schlafen.

...und jetzt freuen wir uns auf die nächsten Ferien :-)

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