Diese Woche ist in Cusco wieder ein Fest. Allerheiligen wie wir es kennen ist hier mit der lokalen Tradition verwoben. Auch der Cristo Negro, oder el Señor de Temblores, der v.a. am Ostermontag in die Gassen getragen wird, ist diese Woche besonders präsent. Der während dem Jahr einen Seitenaltar der Kathedrale zierende Christus hängt diese Tage hoch über dem Hauptalter und zieht die Blicke der Kirchenbesucher auf sich. Er wird als Schutzpatron der Stadt verehrt. Als 1650 ein Erdbeben Cusco zu zerstören schien, nahmen die Einwohner den schwarzen (vom Kerzenrauch?) Christus aus seinem Seitenaltar und stellten ihn drei Tage lang vor die Kathedrale. Die Erdstösse nahmen ab und die komplette Zerstörung der Stadt wurde verhindert (blieb aus). Seither wird der Señor de Temblores (Herr des Schauderns, der Erdbeben) in alljährlichen Prozessionen gefeiert. Wir ihr wisst, sind Prozessionen in Peru allseits sehr beliebt: An traditionellen Festtagen, Heiligenfesten oder an Beerdigungen oder nicht einordbaren Riten werden Heilige als Segensbringer durch die Gassen getragen, verweilen dann an bestimmten Orten eine Weile und kehren kann wieder an ihre Stammplätze zurück, immer von Blas- und Trommelmusik begleitet. Diese können wir oft von unserem 5. Stock aus gut beobachten, Ida will dann immer die "Musikanten" sehen und möchte ans Fenster. Manchmal ist es ihr auch etwas unheimlich und streckt uns ihre Arme entgegen, um uns nah zu sein.
Interessant finde ich, dass Segensrituale ähnlich wie auch Bannrituale - vermutlich nicht unabhängig voneinander - an verschiedenen Orten der Welt entstanden sind. Der Umgang des Peruaners mit objektiven Gefahren wie Erdbeben oder intensiven Wetterereignissen gleicht dem des Bergbauern in der Innerschweiz, der Orte wie Berggipfel oder gefährliche Kurven mit Kreuzen bannt, Schutzheilige verehrt oder Flurprozessionen beiwohnt. Natürlich erklärt die mit der Kolonisation einhergegangene Christianisierung des Landes diese ähnlichen Bräuche beiderseits der Ozeane, der Bannbrauch oder ritualisierte Danksagungen wie "Pachamamaopfer", um für die Ernte zu danken oder zu bitten, sind aber auch in der andinen Kultur verbreitet und gingen über ins Christentum.
Da der Ausländer nur mit dem "Billeto turistico" ausserhalb der Messezeiten in die Kathedrale kann, ging ich während der Morgenmesse hinein, um den "señor der temblores" abzulichten. Meine Handykamera liesse leider kein besseres Foto zu und der Aufseher stoppte mich auch sofort, da Fotografieren in der Kathedrale untersagt ist, aber Regeln sind um Unterschied zu anderem in der Kirche ja nicht unbedingt sakrosankt ;-) So machte ich die Ausnahme, welche die Regel bestätigt.
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| "El Christo Negro" über dem Chor bei der Morgenmesse in der Kathedrale |
Link zum Christo Negro:
http://radio.rpp.com.pe/peruanosenelexterior/el-senor-de-los-temblores-del-cusco/#more-2814
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