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24.9.15

El fenomeno "el niño" 2015 in Peru



Für mich war das "el niño" Phnomen bisher ein Thema der Geografie, das uns nicht betrifft und irgendwie mit der globalen Klimaveränderung zusammenhängt. Erst hier in Peru, und auch erst in den letzten Monaten, als bekannt wurde, dass die peruanische Regierung dem Norden des Landes x Millionen zur Prävention und Schadensminimierung zur Verfügung stellt und die Schulen in Cusco (und anderen Provinzen) das Schuljahr um einen Monat kürzen wollen (Ende am 4. Dezember statt vor Weihnachten), wurde es handfester und ich habe angefangen mich zu informieren.

"El niño" ist ein Klimaphenomen (mit vollem Namen el Niño Southern Oscillation ENSO), das durchschnittlich alle 7 Jahre auftritt, aber nicht genau vorhersagbar ist (nicht zyklisch). Ganz allgemein gesagt sind es warme Wassermassen, die sich im pazifischen Ozean bilden und die durch ihre Präsenz (und die parallel auftretenden veränderten Luftdrücke) quasi alles beeinflussen können. Das Phenomen ist nach dem "niño Jesus" benannt, also dem Jesuskind, weil es in Südamerika immer im Dezember die stärksten Ausprägungen und Auswirkungen hat. Betroffen sind vor allem die Westküsten von Nord- und Südamerika, Zentralamerika und gewisse Teile der asiatischen Inselregionen, aber Regenfälle und Klima allgemein auf der ganzen Welt sind davon beeinflusst. Es kommt zu Trockenheiten, Waldbränden, Überschwemmungen, Tropischen Stürmen und anderen extremen Wetterereignissen. "El niño" wechselt sich mit "la niña" ab, der kühlen Phase der "Southern Oscillation".

In Peru sind die Auswirkungen sehr unterschiedlich in den verschiedenen Regionen des Landes. Der Küste entlang werden die normalerweise durch den Humboldt-Strom kühlen und Sauerstoff-reichen Wassermassen einige Grade erwärmt, was die Fischbestände dezimiert (und die Vermehrung anderer Arten (shrimps?) fördert und die Fischerei schwächt. An der Nordküste kam es in den letzten starken "el niño" Jahren  (1982/83 und 1997/1998) zu superstarken Regenfällen und Überschwemmungen. Die ungewohnte Feuchtigkeit in der Wüstenlandschaft hat das Wachstum der Kulturpflanzen beschleunigt und so riesige Heuschreckenplagen angezogen. Auch Mückenpopulationen haben sich extrem vergrössert und die Malaria (und andere Seuchen) -Häufigkeit nahm zu.
Während es in der südlichen Sierra (wo wir sind) bis zu 3500m ü M auch noch zu viel stärkeren Regenfällen (Überschwemmungen und Erdrutsche) kam, wurde in den höheren Gebieten wie zum Beispiel rund um Puno eine extreme Dürre-Periode verzeichnet. Traditionell wird Anfang September angesäht und in diesem Jahr wird schon vorausgesagt, dass die diesjährigen, schon ausgesähten Kulturen, nicht überleben werden.
Im Allgemeinen kann man sagen, dass durch die Klimaveränderungen und Wetterereignisse ganz viele Bereiche betroffen sind: Ernährung, Mobilität, Wirtschaft, Tourismus, Biodiversität und sicher vieles mehr...

Das "El niño" Phenomen soll dieses Jahr sehr stark ausgeprägt sein, die Oberflächentemperaturen an gewissen Orten im Pazifischen Ozean sollen höher sein als je gemessen. So genau scheint man das aber nicht vorhersagen zu können, weil die Erfahrung fehlt. Offenbar werden die genauesten Daten über Stellitenmesssysteme erfasst, die noch nicht so lange in Gebrauch sind.

Wir haben hier noch kein el niño Jahr erlebt, aber die Tatsache, dass die Regierung Massnahmen ergreift, bevor die Auswirkungen spürbar sind, lässt Schlimmes erahnen (Peru ist nicht so ein Land der Planung und Prävention ;-)). Die staatlichen Schulen müssen alle ab sofort an Samstagen Schule haltn, um mit der Arbeit durchzukommen bis zum verfhten Ende des Schuljahres. Wie es die privaten Schulen halten ist noch offen, aber auch sie können die Vorschriften nicht ignorieren. Erika meint, dass das Ausmass der Umsetzung der Vorschriften auch von der Lage der Schule abhängt. Da Pukllasunchis in einer Schlucht liegt und von potentiellen übermässigen Regenfällen stark betroffen wäre (Überschwemmungen und abrutschende Hänge) müssen wir aber damit rechnen, dass wir voll mitmachen. Dann werden eben Samstage zu Arbeitstagen und wohl auch auch die Woche Ferien im Oktober gestrichen, obwohl viele reisepläne haben, Tickets gekauft haben, Hotels gebucht und bezahlt...Wir haben zum Glück nichts vor dieses Mal, da Pascal sowieso arbeiten muss. Allerdings würde ein verfrühtes Ende des Schuljahres und extrem unberechenbares Wetter in grossen Teilen Süd- und Mittelamerikas allenfalls unsere Rückkehrpläne in die Schweiz beeinflussen.

Am Montag soll eine Sitzung am Colegio mehr Licht in die Sache bringen, zumindest was unsere Arbeit angeht.

Hier noch ein paar links mit mehr Infos:
- Wikipedia (englisch): https://en.wikipedia.org/wiki/El_Ni%C3%B1o
- Wikipedia (deutsch): https://de.wikipedia.org/wiki/El_Ni%C3%B1o
- National Geographic (english): http://news.nationalgeographic.com/2015/07/150730-el-nino-return-weather/
- Cusco und Cajamarca schliessen Schulen im Dezember (spanisch): http://elcomercio.pe/peru/pais/cajamarca-y-cusco-adelantan-fin-clases-nino-noticia-1841427

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