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24.4.13

Flora und Fauna - Andenkamele

Vikunjas im Nationalpark Reserva Nacional Salinas - Aguada Blanca

Das Tier, das man wohl am meisten mit Peru in Verbindung bringt, ist das Lama. Das Lama und die anderen Vertreter der Andenkamele – das Vikunja, das Alpaka und das Guanako – leben im Andengebirge zwischen 2500 und 5500 m ü. M. Ihr Herz ist bis zu 50% grösser als das von anderen Säugetieren vergleichbarer Grösse und sie können mehrere Tage ohne Wasser auskommen. Für die indianische Hochlandbevölkerung hatten/haben sie auf verschiedene Weisen eine sehr grosse Bedeutung: als Lasttiere, das Fleisch als Nahrung, die Wolle für Kleidung und andere Stoffe und der getrocknete Dung als Brennmaterial.
Alpakas (Lama guanicoae pacos), Lamas (Lama guanicoae glama), Vikunjas (Vicugna vicugna) und Guanacos (Lama guanicoe) gehören tatsächlich zusammen mit den Dromedaren und Kamelen (Gattung Camelus) zur Familie der Kamele (Laurasiatheria; Artiodactyla; Camelidae) und werden auch Neuweltkamele genannt. Alle Kamele haben an den Füßen Sohlenpolster (Tylopoden), und ihre Oberlippe ist gespalten und sehr beweglich. Bei den Andenkamelen ist es so, das sich alle 4 „Arten“ untereinander paaren können. Das führt dazu, dass man den Ursprung der domestizierten Formen auch mittels DNA-Analysen nicht einwandfrei feststellen kann. Wahrscheinlich ist es aber so, dass Lamas hauptsächlich von Guanacos abstammen und Alpakas von Vikunjas. Hämoglobinanalysen widersprechen allerdings dieser Theorie.

Lamaherde
Lama
Das Lama (auf Spanisch Llama, sprich „Jama“) ist der grösste Vertreter der Andenkamele und wird schon seit Jahrhunderten als Lasttier eingesetzt. Ein Lama ist ca 120m gross (Schultehöhe), bis zu 150kg schwer und kann Lasten von 25-30 kg über ca 20km pro Tag tragen. Es ist wahrscheinlich eine vor langer Zeit domestizierte Form des wildlebenden Guanacos, es kann aber offenbar auch eine eigene Art gewesen sein, die heute in freier Wildbahn ausgestorben ist. Sein Fell kann ganz verschiedene Farben haben. Sogar Dalmatiner-Ausgaben soll es geben. Fleisch und Wolle wurden von den Inkas und anderen Andenbewohnern früher auch genutzt, heute gilt das Fleisch als zäh und die Wolle als nur für Seile etc verwendbar. In Südamerika soll es heute ca 3 Millionen Lamas geben, aber auch in Europa werden sie vermehrt gehalten. Für meine Diss habe ich doch mal Milben von Lamas aus der Nähe von Bern untersucht, fällt mir gerade ein. Milben haben sie also auch. Aber in den Milben habe ich keine Bakterien gefunden…

In Rangkämpfen untereinander können sich die Lamas mit erstaunlicher Treffsicherheit sauren, grünen Mageninhalt anspucken. Leider habe ich das noch nie gesehen.

Aus dem "Correo" von Arequipa 25. April 2013
Der vermutliche Vorfahre des Lamas, das Guanaco, bekommt man (hier in Peru?) nur sehr selten zu Gesicht. Seine Verbreitung ist südlicher als die der andern Andenkamele. Es hat ein meist rotbraunes Fell, ist ca 110cm gross und lebt wie auch das Vikunja in Familienverbänden.
In manchen Andenvölkern wird sein Fell zu kunstvollem traditionellen Gewändern verarbeitet. Offenbar benutzt man dazu nur Babyfelle. Die Färbung der Tiere ergibt dabei sehr spezielle Muster. Ich habe selber noch kein Guanaco gesehen und deshalb auch noch keins fotografieren können. Hier könnt ihr aber Photos anschauen und auch grad noch ein bisschen mehr Informationen finden. In der Region Arequipa sind sie aber offenbar daran bessere Schutzprogramme für die Guanacos zu organisieren.

Vikunja
Das Vikunja (Vicuña) ist viel kleiner als das Lama (Schulterhöhe 100 Zentimeter, das Gewicht 50 Kilogramm), schlanker und wird nicht als Packtier eingesetzt. Nicht zuletzt, weil es sich nicht gut domestizieren lässt. Wenn es in Gefangenschaft gehalten wird, pflanzt es sich einfach nicht fort oder frisst schon gar nichts. Alle Tiere haben die gleiche helle Färbung mit weissem Bauch. Schon die Inkas aber haben die feine Wolle geschätzt. Deshalb trieben sie 1x alle 2 Jahre ganze Vikunjaherden in eingezäunte Talsohlen und schoren sie. Vikunjawolle ist feiner als die vom Alpaka und gilt als die teuerste Wolle überhaupt. Pro Tier gewinnt man nur ca 150g und davon ist die helle Wolle vom Bauchbereich nochmal wertvoller als der Rest. Ich habe von Peruanern hier gehört, dass sich nur reiche Amis (Nordamerikaner) einen Vikunja-Pulli leisten können. Im 20. Jahrhundert war der Bestand bis auf unter 10000 Tiere gesunken. Jetzt sind sie an manchen Orten geschützt und grössere Dichten sind vor allem in den Nationalparks bei Arequipa und Nazca anzutreffen.
Das Vikunja lebt in kleinen Herden mit einem Männchen (auf spanisch: Macho) und vielen Weibchen. Daneben leben freie Gruppen von geschlechtsreifen Männchen, die in keinem Familienverband mehr geduldet werden und die auf ihre Gelegenheit warten, einem alternden Familien-Macho seine Weibchen abzuluchsen.

Alpakas
Das Alpaka liegt von Grösse und Gewicht her so etwa in der Mitte (75kg, 90cm Schulterhöhe). Es lebt als Haustier (oder äh Stalltier, vielleicht eher?), zunehmend auch in Europa. Wie das Lama kann es alle möglichen Farben haben. Es liefert jährlich bis zu 3 kg Wolle. Bei den Alpakas kennt man zwei Typen: Das Huacaya-Alpaka, das dichte und füllige Wolle hat, die gekräuselt ist, und das Suri-Alpaka (ob sich Tom Cruise wohl bei den Alpakas hat inspirieren lassen?): Es hat dagegen ein eher lockiges Fell. Suri-Alpakas sind sehr viel seltener als Huacaya-Alpakas, sie machen nur etwa zehn Prozent der Tiere aus.
Ausser der Wolle wird das Alpaka auch als Fleischproduzent gezüchtet. Wir haben das auch schon mal gegessen und es war sehr gut, aber ich habe nicht gemerkt, dass es anders schmeckt als zum Beispiel Rind. In Europa wird das Alpaka wegen seines sanften Gemütes vermehrt in der tiergestützten Therapie eingesetzt.

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